Unser ACO Mitglied Sonja zu Besuch bei den Schülern von Hoc Lam Tho

sonja sProjekte, Vietnam, Zukunft durch AusbildungLeave a Comment

Am 21. April treffe ich mich mit den SchülerInnen des Projektes Học Làm Thợ (Zukunft durch Bildung) in Hanoi. Das seit 2014 gegründete Projekt ermöglicht Jugendlichen aus ethnischen Minderheiten eine Berufsausbildung oder ein Studium in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. ACO unterstütz den Verein seit mehreren Jahren mit einer Spendensumme von etwa 2000 Euro im Jahr und ist damit ein wichtiger ausländischer Partner für das Projekt. Während meines viermonatigen Aufenthalts in Vietnam hatte ich die wertvolle Gelegenheit das Projekt und die Schüler*innen persönlich kennenzulernen.

Um die Mittagszeit bin ich mit den Schüler*innen in der Pagode Dinh Quan verabredet. Mai Anh, die ehemalige Projektleiterin von Học Làm Thợ, begleitet mich zu dem Treffen. Es haben vorher zwei Schüler*innen und ein Ehrenamtlicher zugesagt. Als wir ankommen, bin ich sehr erstaunt. Um die 10 Schüler*innen sind zusammengekommen, um mich als ACO Mitglied kennenzulernen. Ich werde sofort herzlich willkommen und zum Mittagessen in der Pagode eingeladen. Danach versammeln wir uns gemeinsam im Kreis in einem Gebetsraum für ein offenes Kennenlernen-Gespräch. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde frage ich die Schüler über ihre Heimat, wie sie zu dem Projekt gekommen sind, wie ihr Alltag und ihr Leben in Hanoi aussieht, was ihre Träume und Wünsche für die Zukunft sind und vieles mehr. Die Schüler*innen träumen davon eines Tages genug Geld zu verdienen um ihre Familien unterstützen zu können oder wegzuziehen, vielleicht sogar ins Ausland zu gehen und dort ihren eigenen Lebensweg zu gehen.

Alle Teilnehmer*innen kommen aus verschiedenen Ethnien (Hmong, Tày, Thái, Dao usw.) aus den Bergregionen Nordvietnams (v.a. Lào Cai, Hà Giang). Hier ist der Zugang zu einer guten Ausbildung sehr schwierig. Die Schulen sind oft mit einem weiten, beschwerlichen Schulweg verbunden, die Unterrichtsqualität ist niedrig und nach Vollendung der 12. Klasse (vergleichbar mit Abitur) gibt es kaum Weiterbildungsmöglichkeiten in den Dörfern. Viele Jugendliche bleiben bei ihren Familien und helfen ihnen im Haushalt oder bei der Arbeit auf dem Feld. Später sollen sie den Beruf ihrer Eltern ausüben und für die Familie sorgen. „Es gibt keine Perspektive für die Kinder“, sagt der Ehrenamtlichen Duc Anh. Manche Jugendliche versuchen ihr Glück, indem sie die chinesische Grenze überqueren um dort Waren zu verkaufen oder zu schmuggeln. Einige geraten in die Hände von Schleppern oder müssen ein Leben in der Illegalität in China führen. Um die Jugendlichen aus der Perspektivlosigkeit rauszuholen und ihnen eine bessere Zukunft zu ermöglichen, bekommen jedes Jahr um die 12 Schüler*innen ein Stipendium, mit dem sie an einer Berufsschule oder Universität in der Stadt Hanoi lernen können.

Dafür gehen jedes Jahr Absolventen und Ehrenamtliche des Programmes in ausgewählte Schulen in bestimmten Distrikte aus Lào Cai und Hà Giang und berichten von dem Projekt in den Schulen. Wenn es interessierte Schüler gibt, melde sie sich für das Programm. Anschließend besuchen die Ehrenamtlichen die Elternhäuser der ausgewählten Schüler*innen und informieren diese über das Programm. Hier muss richtige Überzeugungsarbeit geleistet werden, da viele Eltern meistens nicht zustimmen. Die eigenen Kinder sind eine Absicherung für die Familie und vor allem die Söhne sind später für die Versorgung der Familie verantwortlich. Deswegen müssen viele Teilnehmer*innen nach ihrem Abschluss wieder zurück in die Dörfer kehren, um dort der Familie zu helfen und das erlernte Wissen für den Aufbau ihrer Heimatdörfer zu nutzen.
Sobald die Stipendiat*innen die Einwilligung ihrer Eltern bekommen, können sie nach Hanoi ziehen. Dort wohnen sie direkt in einem Internat bei den Schulen und gehen sechs Tage die Woche zur Schule. Es gibt in der Regel drei Schulen mit verschiedenen Ausrichtungen: Tourismus, Hotel- und Restaurantverwaltung, Elektronik- und Ingenieurswesen.
Das Stipendium beinhaltet die Übernahme der Studiengebühren für ein Jahr. Die restlichen zwei Jahre der Ausbildung müssen die Schüler*innen selber finanzieren. Ein zweiter wichtiger Bestandteil ist die Unterstützung bei der Integration in das neue Leben in der Stadt.  Nebenbei hat jeder Schüler noch einen Nebenjob, um die Lebensunterhaltungskosten decken zu können. Einige Schüler sind schon in Praktika eingebunden. Das Projekt wird von zwei Ehrenamtlichen gestemmt, die hier sehr engagiert die Schüler*innen betreuen und als wichtige Stütze und Ansprechperson in ihrem Leben fungieren.

Im Laufe meines Auslandsaufenthalts habe ich mich noch weitere Male mit den Schüler*innen getroffen und hier sehr interessante und lustige Gespräche geführt. Natürlich waren die Schüler*innen sehr daran interessiert, wie ich mich in Vietnam fühle und wie sich das Leben dort zum Leben in Deutschland unterscheidet. Ich habe die Schüler*innen als sehr neugierig, eifrig, hilfsbereit und hoffnungsvoll erlebt. Ein großer Wunsch von dem Ehrenamtlichen Duc Anh ist es, dass mehr Mitglieder von ACO nach Vietnam kommen, um sich mit den Schüler*innen auszutauschen, ihren Wissenshorizont zu erweitern und sie zu motivieren. ACO will den Besuch der Hilfsprojekte tatkräftig unterstützen und wird in Zukunft Mitgliedern, sowie externen Volunteers  bei der Planung und Finanzierung des Aufenthalts helfen.

Das Erste Mal konnte ich den direkten Mehrwert des Engagements unseres Vereins Asia-Charity Organization sehen und unseren Projekten, Gesichter mit bestimmten Lebens-geschichten zuordnen. Die große Herausforderung eines jeden entwicklungspolitischen Vereins ist die große Distanz zwischen dem Standort und den transnationalen Projekten. Wenn man sich aber überlegt, dass zwischen Vietnam und Deutschland eine Distanz von 9.000 Kilometern liegt, ist es doch sehr beachtlich, dass ein junger Verein aus 80 Mitgliedern mit einem Durchschnittsalter von 21 Jahren, anderen Jugendlichen am anderen Ende der Welt ermöglicht eine Ausbildung oder einen Universitätsabschluss zu machen.

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